Die Unzulänglichkeiten einer Schwarzen Liste

Da erstellt das Bundesministerium für Familie, Jugend und anderes Zeugs also “schwarze Listen”, mit Organisationen, die ganze böse extremistisch (vulgo “kommunistisch”) sein sollen und deshalb kein Geld mehr über die Förderprogramme des Bundes bekommen dürfen (offenbar die schärfste Waffe eines Obrigkeitsstaates, der keine juristisch handfeste Definition davon hat, gegen was er da überhaupt vorgeht). Mit dabei so illustre Organisationen wie die Linksjugend (uuuuuuuuuhhhhhhhh!) und Teile der Partei DIE LINKE, wie die “kommunistische Plattform” (noch viel lauteres uh!). Verständlich, dass da einige auf den Archetypen des Kommunistenfressers zu sprechen kommen. Aber anders als McCarthy, der alles als Kommunist bezeichnet hat, was ihn nur schief angesehen oder eine Steuererhöhung um 2 Dollar gefordert hat (was einige politische Kräfte Heute immer noch gerne tun), geht es hier um Organisationen, die tatsächlich “links” auftreten oder sich zumindest selbst so sehen.

Viel interessanter als einen Blick auf die gescholtenen Organisationen, deren Platzierung auf solchen Listen so bedenklich ist, wie der offensichtliche Geisteszustand mancher CDU-Ministeriellen, ist für mich aber eine Betrachtung derer, die nicht das Vergnügen hatten, auf der staatlichen Abschussliste zu landen.

Also, wenn ich zum Beispiel Juso-Vorsitzender (die Zahl der Frauen in solchen Positionen berechtigt zum generischen Maskulin!) wäre, würde ich mich darüber schon aufregen. Ich mein, Hallo? Damit wird einem eine exzellente Werbemöglichkeit für die eigene Organisation verwehrt! Empörte offene Briefe, Pressemitteilungen, da läuft einem das Wasser im Mund zusammen! Man denke nur an Genosse Avenarius, der mit seinen Beschlagnahmungen, freilich auf die politische Weisung anderer hin, nicht unerheblich zum Mobilisierungserfolg des Dresden Nazifrei Bündnisses im letzten Jahr beitrug.

Also, dran bleiben! Wie wär’s damit, aus der Not eine Tugend zu machen? Einfach einen offenen Brief verfassen, in dem man verlangt, gefälligst auf so eine Liste gesetzt zu werden. Gutes Argument: So extrem wie die Stadtverwaltung der Stadt Riesa sind wir doch schon lange, oder?

Edit: Aber vermutlich ist es doch hoffnungslos, auf die schwarze Liste zu wollen, denn am Ende gehören die Jusos doch gar nicht zu den Schwarzen.

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